Habitussensibilität stellt eine professionelle Grundhaltung dar und fordert von einem/einer BeraterIn neben einer Ausrichtung an den persönlichen Einschätzungen des Ratsuchenden immer auch die Berücksichtigung gesellschaftlicher Einflüsse. Das Erkenntnisinstrument dafür ist die Habitusanalyse.

Neben einer Verständnistiefe für die Poblemlage des Ratsuchenden ermöglicht die Habitusanalyse einen Einblick auf ein Leiden an der Gesellschaft, wie Schultheis es nennt, welches kein individuelles Schicksal darstellt. Diese Erkenntnis hat entlastende Funktion, denn damit ist nicht allein das überforderte Individuum Schuld, dass es trotz intensiven Bemühens das eigene Problem nicht lösen kann - sondern es wird möglich Handlungsgrenzen zu identifizieren, die sozial bedingt sind und diese werden auf einer anderen Ebene und mit anderen Methoden bearbeitet.

Als ich mit den Forschungsansätzen Bourdieus gearbeitet habe, konnte ich bereits erste Erfahrungen mit dessen Erkenntnismöglichkeiten machen, denn ich habe vor allem viel über mich selbst und meine sozialen Wurzeln gelernt. In der Beratungsausbildung spielt die Selbstreflektion oder auch Selbstkenntnis des Beraters/der Beraterin eine wichtige Rolle, damit er nicht "aus dem Bauch heraus" berät, sondern das eigenen Verhalten kontrolliert einsetzen kann. Durch die Habitusanalyse hat dieser Prozess noch eine zusätzliche Tiefe erhalten, da ein mehr an unbewußten Prägungen bearbeitbar wurde.