Die soziologische Theorie des Habitus gibt einen eigenen Erklärungszugang zum Verständnis menschlichen Denkens und Handelns, vor allem hinsichtlich eines vielfach unbewußten, routinisierten Alltagshandelns. Die Habitusanalyse eröffnet einen Verstehenszugang für die komplexe alltags- und lebensweltliche Praxis des Menschen.

Unserer Handlungsweise liegen sozial bedingte, unreflektierte Deutungs- und Wahrnehmungsschemata zugrunde, die es zu identifizieren gilt, wenn man festgefahrene Handlungsweisen verändern möchte. Neben dem subjektiven Deutungssinn einer Situation fragt die BeraterIn deshalb auch nach objektiven, sozialen Einflüssen, die das Problem begleiten. Machteinflüsse und damit verknüpfte Formen symbolischer Gewalt werden aufgegriffen und besonders hartnäckige oder vermeidende Handlungsmuster zum Anlass genommen, diese auch strukturell zu durchleuchten.

Kurz gesagt: Die Habitusanalyse bietet dem Berater ein Handwerkszeug/ Erklärungsmodell für gesellschaftliche Einflüsse bei Handlungsentscheidungen. Mit dessen Hilfe können die Beteiligten gemeinsam eine sogenannte Sozioanalyse vornehmen und damit biographisch arbeiten, oder sie können dieses Diagnoseinstrument als Hintergrundinformation nutzen, um in Teamzusammenhängen bestimmte Positionen und damit verknüpfte Einstellungen zu verstehen.

Ich nutze den Ansatz der Habitusanalyse in der Beratung von Einzelpersonen, aber vor allem auch in der Arbeit mit Teams. Das zeitweise Verlassen der persönlichen Sinnebene und die Identifikation der Tragweite gesellschaftlicher Strukturen auf unser Handeln eröffnet dem Einzelnen neue Erkenntnisse über die eigenen Wurzeln, sowie die Entdeckung bisher versagter Entwicklungshorizonte.