Hochschulen stehen heute vor der Entwicklungsaufgabe und -chance, Studierenden mit heterogenen soziokulturellen Hintergründen und damit verknüpften unterschiedlichen Lernkulturen ein erfolgreiches Studium zu ermöglichen. Spätestens seit der Verordnung zum Hochschulzugang beruflich Qualifizierter durch das Wissenschaftsministeriums NRW (2010) gilt es, Hochschulen auch für Menschen ohne Abitur zu öffnen. Gleichzeitig ist mit dem Studienzugang über einen Meistertitel oder Berufserfahrung die Herausforderung verknüpft, verstärkt non-traditional-students in die Hochschule einzubinden. Aufgrund ihres Alters, ihrer Bildungsbiographie und der Mehrfachbelastung (Berufstätigkeit, Studium und ggf. Familie) benötigt diese heterogene Gruppe andere Bildungssettings, als der/die Vollzeitstudent/in in Erstausbildung, der oft aus einem „klassischen Bildungsmilieu“ stammt.

Studienschwierigkeiten – gerade in der Studieneingangsphase – und Leistungsheterogenitäten lassen sich auf unterschiedlich große Distanzen zwischen verschiedenen Herkunftsmilieus, aktuellen Lebenswelten und der vorherrschenden Hochschulkultur zurückführen. Die Erfahrungen in der Arbeit mit Studierenden sowie der einschlägigen Forschung zeigt, dass die Thematisierungsmöglichkeit soziokultureller Hintergründe und damit verbundene Akkulturationsanforderungen eine befreiende Wirkung für den Einzelnen haben. Gleichzeitig wird die Struktur-Seite (hier: Hochschulmilieu) entsprechend sensibilisiert und kann passende Strukturen schaffen. Am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf habe ich im Rahmen einer Gastprofessur im WiSe 12/13 und im SoSe 2013 das Lehrforschungsprojekt „Der Herkunft begegnen“ gemeinsam mit Prof. Dr. Lars Schmitt durchgeführt. Ziel des Projektes war zum einen, Studierende zum Erforschen der eigenen Lebenswelt anzuhalten (in diesem Fall das Studium der Sozialarbeit/Sozialpädagogik im Fachbereich der HS Düsseldorf) und Erkenntnisse hinsichtlich einer Diversität an Lernzugängen und -bedürfnissen sowie den notwendigen Rahmenbedingungen zu sammeln. Zum anderen sollte mit der Rückmeldung der Forschungserkenntnisse an den Fachbereich die Selbstreflexivität der Institution hinsichtlich strukuturbedingter Teilhabebarrieren und Studienschwierigkeiten möglich werden. Der Vortrag stellt das Lehrforschungsprojekt, dessen Ergebnisse und den dabei entstandenen Idealtypus des/der Student/in der Sozial und Kulturwissenschaft der HS Düsseldorf vor, dessen gesamtes Kompetenzprofil allerdings nur ein Bruchteil der Realstudierenden erfüllt. Somit stehen seitens der Institution neben der vielfach angebotenen individuellen Kompetenzförderung vor allem auch Struktur- und Kulturveränderungen an, um der eigenen Studierendenschaft die Teilhabe und den erfolgreichen Abschluss zu ermöglichen.

Es ist zudem möglich, eine individuell zugeschnittene Lehrforschung für unterschiedlichste Hochschulen und Fakultäten zu entwickeln und diese gemeinsam umzusetzen. Nehmen Sie bei Interesse an dieser Lehr- und Forschungsform Kontakt zu mir auf.