Diese Weiterbildung richtet sich an Lehrer*innen und Studienberater*innen im Übergang Schule / Hochschule, die den Habitus und die mit ihm verbundenen Begrenzungen in ihrem Bildungs- und Beratungshandeln berücksichtigen wollen.

Schüler*innen der Sek.II sind im Hinblick auf eine Studienentscheidung mit einer Fülle an Informationen (19.000 Studiengänge an 390 Hochschulen) konfrontiert, die es zu sortieren und im Hinblick auf persönliche Ziele und Rahmenbedingungen auszuwerten gilt. Da sich dieser Markt die letzten 15 Jahre im permanenten Wandel befindet ist davon auszugehen, dass auch Lehrer*innen keinen aktuellen Überblick haben. Der Entscheidungsprozess ist komplex, verläuft über einen längeren Zeitraum und es werden die unterschiedlichste Informationsquellen zu Rate gezogen - Fehlinformationen und Missverständnisse sind dabei keine Seltenheit.

Je nach Herkunft und damit verbundenem Habitus sind auf dem Weg zum Studium mal mehr oder weniger Hürden zu überwinden, davon erscheinen einigen der sogenannten "Studienpionier*innen" oder "Arbeiterkinder" als unüberwindbar. Akademikerkinder haben den Vorteil, dass viele ihrer Ratgeber*innen selbst studiert haben, Hochschulbesuche ihnen weniger fremd erscheinen und in der Studienberatung konkrete Fragen geklärt werden können. Studienpionier*innen benötigen seitens der Schule verstärkt Informationen zur Studienentscheidung und Ermutigung einen solchen Schritt zu gehe, da die Familie und ihr Netzwerk wenig Kenntnisse zum Studium hat. Während Akademikerkinder bereits wissen, dass sie studieren werden, ist die erste Entscheidung von Studienpionier*innen noch die zwischen Ausbildung oder Studium.    

Eine habitussensible Studienorientierung berücksichtigt die unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen bei der Studienwahl und deutet Unentschlossenheit und Unwissenheit auf einer sozialen Ebene. In der Weiterbildung werden Kenntnisse zum Prozess der Studienentscheidung und zu den strukturellen Einflüsse des Feldes von Schule/Hochschule vermittelt. Zudem wird die Herkunft der Schüler*innen mit ihren Habitus als begrenzende oder fördernde Komponenten im Entscheidungsprozess mit diesem Wissen verknüpft. Die eigene Positionierung der Teilnehmer*innen im sozialen Raum und der mit dem Habitus verknüpfte Wertekanon werden reflektiert und sein Einfluss auf das bevorzugte Billdungs- und Beratungshandeln diskutiert.